Die wiederkehrende Last des Denkens. Thomas Leeroy als Künstler der Krisis

Who you gonna call – wenn das Denken zur Last wird? An wen wenden? An einen Menschen, der dir eine Psychotherapie anbieten kann? Eine Person, die dir mit Philosophie das Gedankenleid lindern möchte? Sowohl die psychotherapeutische als auch die philosophische Praxis kennt das Phänomen eines Denkens, das so schwer wird, dass es kaum mehr tragbar erscheint. Beide bieten Konzepte an, die dabei helfen sollen, das Denken wieder tragbar zu machen; ertragbar. Oder auch: erträglich. Adjektive, die im Falle von Thomas Leeroys Skulpturenserie auf existentielle Weise materiell werden.

Denken, das ertragbar respektive erträglich ist, ist annehmbar, also in irgendeiner Form akzeptabel für die Tragenden. Nun können die Adjektive „ertragbar“ und „erträglich“ ihre inhärente Ökonomie kaum leugnen: Sie haben den Ertrag verinnerlicht, geben also auch Auskunft darüber, ob etwas – eine Sache oder eine Tätigkeit – auskömmlich, also ausreichend zur Bestreitung des Lebensunterhaltes ist. Für eine Person, deren Denken so schwer wurde, dass es nicht mehr zu ertragen ist, ist es schwerlich möglich, selbstständig für ein Auskommen zu sorgen. Für sie wird das Denken also gleich in beiderlei Hinsicht unerträglich.

Der 1981 in Belgien geborene Künstler Thomas Lerooy scheint ein guter Beobachter dessen zu sein, was sich als die Tragweite des Denkens bezeichnen ließe. In seinen Installationen und Skulpturen reflektiert er auf ironische, oft paradoxe und provokante Art und Weise die Irrwege und Absurditäten, die uns das Menschsein abverlangt. Um im eingangs eröffneten Bedeutungsrahmen zu bleiben: Die Tragweite, die er in seiner Kunst in den Blick nimmt, ist auch eine Maßeinheit dessen, was nicht mehr zu tragen ist, was nicht mehr tragbar oder erträglich ist. Seine künstlerischen Reflexionen treffen eine Wirklichkeit, in der Dinge dysfunktional, disproportional werden. Vielleicht paradigmatisch für diesen ästhetischen Zug ist die Skulptur »Weight of Thought« und ihre artverwandten Variationen »Not Enough Brains to Survive«, »Over and Over«, »Crash« und »Why Worry«, die zusammen eine Serie bilden. Sie zeigen einen Menschen aus Bronze mit einem Kopf, der dermaßen überdimensioniert ist, dass ihm die Existenz verunmöglicht scheint. Er kommt nicht voran, die eminente physische Last des Kopfes hindert ihn an jedem Fortkommen. In einer Formation scheint er gegen dieses Schicksal anzukämpfen, legt das ganze Gewicht seines vergleichsweise kümmerlichen Körpers in den Kampf gegen den eigenen Kopf. Vergebens, er kann ihn nicht von der Stelle bewegen. Schließlich scheint er zu kapitulieren und legt ihn auf einem Steinpfahl ab. Ein Ablegen, das kaum erholsam sein kann; dafür ist die Disproportionalität zu ausgeprägt, die reine Masse des mächtigen Hauptes zu gewaltig. Sie muss dem restlichen Körper Leid verursachen. Nie im Leben lässt sich so leben. Oder?  (weiterlesen auf Tausend Ebenen)

c

ausgeprägt, die reine Masse des mächtigen Hauptes zu gewaltig. Sie muss dem restlichen Körper Leid verursachen. Nie im Leben lässt sch so leben. Ode